„SYSTEMISCHE BERATUNG (DGSF)“ // Seminare

Die Weiterbildung „Systemische Beratung“ besteht aus zwei Abschnitten mit den Seminaren und Inhalten:

Die Weiterbildung findet als DGSF zertifizierte Weiterbildung im entsprechenden strukturellen Rahmen statt.


Abschnitt I

DIE ZIRKULÄRE PERSPEKTIVE
Symptome als Fähigkeiten
Ein Symptom, welches auch immer es sei, wirkt sich beziehungsgestaltend aus. Anstelle der Frage nach Ursachen liegt das Zentrum systemischer Arbeit daher auf der Frage nach Auswirkungen von Symptomen. Aus systemischer Sicht können Symptome und andere als Störungen definierte Phänomene als beziehungsgestaltende Fähigkeiten verstanden werden. Diese wirken dann, ohne eine bewußte Absicht der Beteiligten auszudrücken, wie ein Beziehungspartner in einem Beziehungskonflikt. Aus systemischer Sicht ist es deshalb Aufgabe des Therapeuten, Etikettierungen der Klienten als defizitär, gestört oder gar krank abzulösen und die Sinnhaftigkeit und regulativen Effekte von Symptomen in den Beziehungen des Klienten erkennbar zu machen.

Die „Systemische Beratung“ ist die Grundlagenweiterbildung für den Systemische Therapie (DGSF) / Abschnitt III und „Systemische Kinder- und Jugendlichentherapie (DGSF)“ und Systemische Supervision (DGSF)

Methoden:
Problemorientiertes und lösungsorientiertes zirkuläres Fragen, Zirkularität systemischen Intervenierens, paradoxe Intervention und Symptomverschreibung.

DIE STRATEGISCHE PERSPEKTIVE
Die Lösung ist das Problem
Im Teufelskreis zwischenmenschlicher Probleminteraktionen ruft ein „Weniger an Lösung“, weniger problematische Interaktionen hervor, die ihrerseits wiederum weniger Lösungen bedürfen. Es gibt also lediglich nur einen, das Problemverhalten verewigenden Teufelskreis aus Problemverhalten und ungeeigneten Lösungsversuchen. Die vermeintlichen Lösungsversuche stellen somit die Einladung zur Fortsetzung des Problemverhaltens dar. Dementsprechend steht jedes Problem einer möglichen Lösung offen, wenn die problemerhaltende Lösung außer Kraft gesetzt wird.

Methoden:
Lösungsversuche als Problemstabilisatoren, strategische Verschreibungen, Problem- und Lösungsfokussierung, Auftragsklärung und Zieldefinition.

LÖSUNGS- UND RESSOURCENORIENTIERUNG
Vom Problem zur Lösung
Es ist leichter, Veränderungen zu unterstützen, indem der Therapeut auf dem aufbaut, was der Klient kann, als dadurch, dass er analysiert, was der Klient falsch zu machen glaubt. Viele Therapeuten sind in ihren dynamischen Theorien allerdings so versunken, dass sie das Offensichtliche übersehen. Die Grundhaltung im lösungsorientierten Modell besteht im Glauben an vorhandene Ressourcen im Klienten. Unsere Aufgabe ist es, den Klienten zu helfen das unbewusste Wissen, das sie bereits haben, auf neue Weise nutzbar zu machen. Alles was Therapeut und Klient wirklich wissen müssen ist im Grunde, woran für beide erkenntlich sein wird, dass das Problem gelöst sein wird.

Methoden:
Ausnahmen und deren Bedeutung, lösungsorientiertes Fragen, hypothetische und weitere ressourcenorientierte Frageformen, Auslösen unbewußter Suchprozesse.

DIE STRUKTURELLE PERSPEKTIVE
Konflikt als Chance
Der Begriff der Struktur bezieht sich auf allgemeingültige Charakteristika des Zusammenlebens, die mit Zusammengehörigkeit und Loyalität zu tun haben, mit Nähe, Ausschluss und Verlassen, mit Macht und Aggression, und damit, wie sie bei der Herausbildung von Subsystemen in Erscheinung treten. Das Herzstück der strukturellen Perspektive ist experimentell und erfahrungsorientiert. Die strukturell Perspektive versucht konkret zu intervenieren, in einer Weise, die Systemmitglieder zueinander in Beziehung setzt. Hierzu ist es notwendig Konflikte zu aktivieren, anstelle Konfliktvermeidung zu akzeptieren. So können die interpersonalen Dramen in den Therapieraum geholt und alternative Lösungswege angeregt werden.

Methoden:
Joining und blaming, enactment, unbalancing, System- und Strukturbilder, Konfliktaktivierung und Restrukturierung, negative Konnotation.

DIE MEHRGENERATIONALE PERSPEKTIVE
Die Balance von Geben und Nehmen
Loyalitätsbindungen gleichen unsichtbaren, aber starken Fasern, welche die komplizierten Teilchen des Beziehungs – Verhaltens in Familien wie auch in der Gesellschaft zusammenhalten. Das Mehrgenerationenkonzept führt die Perspektive in die systemische Therapie ein, über das aktuelle Geschehen hinaus danach zu suchen, wie Verhalten, Erleben oder auch Symptome Sinn ergeben, wenn man Vermächtnisse aus früheren Generationen berücksichtigt und die Frage stellt, inwieweit diese erfüllt wurden beziehungsweise erfüllbar waren.

Methoden:
Schuld- und Verdienstkonten, Familiengenogramm, Familienrekonstruktion, Loyalität, Delegation und bezogene Individuation.

GRUPPENDYNAMIK
Zirkularität systemischen Intervenierens
Einzelne Personen und Familien handeln immer in einem systemischen Gesamtzusammenhang. Im Zusammenleben konzentrieren wir uns in der Regel auf die Sachebene. In der systemischen Arbeit rückt dagegen die Dynamik von Beziehungen, Gefühlen und Bedürfnissen in den Fokus der Beratung: Der Berater versteht Schwierigkeiten Einzelner immer als Ausdruck einer Wechselbeziehung und nie als Problem einer Person. Dadurch wird die oft einseitige „Schuldfrage“ ersetzt durch einen differenzierten Dialog über Verantwortung.

Die Teilnehmer lernen in diesem Seminar die Gruppendynamik zu nutzen. Der Einzelne kann sich im „Hier und Jetzt“ ausprobieren, Feedback holen und lernen sein Potential einzubringen. Es wird herausgearbeitet, wie der Berater mit dem zu beratendem System korrespondiert. Die Eigendynamik des inneren Systems einer Person kann genutzt werden, um die Veränderungsbereitschaft im äußeren System zu erhöhen. Durch die Kenntnis eigener innerer Prozesse ist der Berater in der Lage, systemisch zu intervenieren und dem zu beratenden System einen Erfahrungsraum zu ermöglichen, in dem Neuorientierung stattfinden kann.

Inhalte: Gruppendynamischer Raum, Person und Rollen in Gruppen, Visualisierungen, Reinszenierungen, Rollenmodelle, die soziale Konstruktion von Wirklichkeit, Zielkonflikte

Methoden:

Systemische Skulpturarbeit, systemische Strukturaufstellungen, systemische Hypothesen, Glaubenssätze, Werte- und Entwicklungsquadrat, strategisches Intervenieren, Gruppendynamik, Inneres Team, Ambivalenzarbeit, Konstruktive Kommunikation nach M.B. Rosenberg

SUPERVISION
Die Supervisionsseminare ermöglichen die Umsetzung der Seminarinhalte in die Beratungspraxis. Hierbei versuchen wir, dem Teilnehmer in Live und Fall-Supervisionssettings systemisches Arbeiten so zu lehren, dass dieser befähigt wird, die individuelle Geschichte, Identität und Lebensfreude seiner Klienten zu fördern.
Wir arbeiten im Live-Setting gemeinsam mit dem Teilnehmer in einem cotherapeutischen Team mit einem Klientensystem (Einzel-, Paar- und Familiensysteme). Der Lernerfolg wird durch die häufige Partizipation des Teilnehmers an Beratungs- und Therapiesituationen enorm gesteigert.

Die komplexe Herausforderung in der Arbeit mit Menschen und Systemen kann aus einer stimmigen professionellen Identität und einem Verständnis, wofür man steht, beantwortet werden, so dass ein „Beheimatet-sein“ in der Profession des Beraters und Therapeuten möglich wird.

Begleitend zur theoretischen Weiterbildung im Abschnitt I finden zwei Supervisionsseminare zu je zwei Tagen statt (09:00 – 18:00 Uhr), mit mindestens einer vom Teilnehmer vorgestellten Arbeitssitzung (Live oder Fall).

Die Supervisionsseminare werden in der geschlossenen Weiterbildungsgruppe durchgeführt (100 UE).


Abschnit II

DIE WACHSTUMSORIENTIERTE PERSPEKTIVE / IFS-MODELL
Heilung durch Begegnung
Kommunikationsformen wie Anklagen, Beschwichtigen, Rationalisieren und Ablenken sind von der Inkongruenz zwischen den vorhandenen Gefühlen, z.B. der Hilflosigkeit, Unsicherheit oder Wut und dem kommunizierten Inhalt gekennzeichnet. Wollen wir, dass die Klienten einen „existentiellen Wandel“ vollziehen, um wirklicher, direkter und lebendiger zu werden, dann müssen wir in unserem therapeutischen Handeln wirklich, direkt und lebendig sein. Eine direkte Kommunikation wird durch die Freiheit gekennzeichnet, zu sehen und zu hören, was jetzt ist, zu empfinden, was man jetzt empfindet und zu sagen was jetzt ist, statt davon zu reden, was sein sollte, sein könnte, gewesen ist oder sein wird.

Ergänzt wird das Seminar mit Teilen aus dem IFS-Modell (Internal Family System nach Dr. Richard C. Schwartz), einem weiteren und sehr aktuellen integrativen Ansatz.
Bei der systemischen Beratung/Therapie mit der „Inneren Familie“ geht es darum, wie der Klient im eigenen Tempo in seine inneren Welten geführt werden kann, um ihn zu befähigen, dort ein Gleichgewicht herzustellen zwischen seinen ambivalenten „inneren Anteilen“.

Methoden:
Kongruente versus inkongruente Kommunikation, Reframing, Triangulation und Parentifizierung, Familienskulptur und psychodramatische Elemente, Teilearbeit und weitere IFS-Methoden, Modell der gewaltfreien Kommunikation (GfK)

DIE PHÄNOMENOLOGISCHE PERSPEKTIVE
Die Anerkennung der Ausgestossenen
Mischt sich ein „Nachgeordneter“ in den Bereich des „Vorgeordneten“, versucht zum Beispiel der Sohn die Schuld des Vaters zu sühnen oder der bessere Ehemann der Mutter zu sein, dann maßt er sich etwas an, was ihm nicht zusteht. Auf eine solche Anmaßung reagiert die Person oft unbewusst mit dem Bedürfnis nach Scheitern. In einer gesunden Familie existiert eine klare Trennung der Generationen. Auch wenn Mutter und Vater fähig sein sollten von Zeit zu Zeit Kinder zu werden, und die Kinder im Stande sein sollten Eltern zu spielen, müssen klare Unterschiede zwischen den Generationen und differenzierende Strukturen für jeden Einzelnen bestehen.

Methoden:
Identifikation mit Ausgeschlossenen, unterbrochene Hinbewegung, Ursprungsordnung, Familiengeheimnisse, Anerkennung und Würdigung, Familienstellen.

Wir teilen die Kritik an der Person „Bert Hellinger“ und möchten auf denoffen Brief von Arist von Schlippe sowie die Potsdamer Erklärung der SG aufmerksam machen.

NARRATIVE PERSPEKTIVE UND KONZEPTIONEN
Nichts ist wahr ohne sein Gegenteil
Die Perspektive, Wirklichkeit in sozialen Systemen über Geschichten wahrzunehmen, führt zu der neuen und interessanten Frage, welche Geschichten eigentlich das Leben oder auch eine Familie regieren. Von welcher Art sind die Geschichten, die jemand sich und seiner Umgebung über sich selbst erzählt . Auf welche Ereignisse greift er dabei zurück, welche bleiben unberücksichtigt. Indem über das Problem geredet wird, erzeugen Therapeuten und Klienten das Problem, an dem sie in der Therapie arbeiten wollen. Anders formuliert: Systeme machen keine Probleme, sondern das Sprechen über Probleme macht Systeme. Die Rolle des Therapeuten ist dabei, mit grenzenloser Neugier und aus einer Position des Nichtwissens die Bedeutungen des Klienten kennen zu lernen, so dass mit der Zeit neue Ideen entstehen, sich berühren und zueinander in Beziehung treten können.

Methoden:
Rekontextualisierung, Externalisierung von Problemverhalten, Urkunden, Märchen, die Arbeit mit Metaphern, von der Problemgeschichte zur Alternativgeschichte.

FAMILIENREKONSTRUKTION
„Kinder teilen alles was die Eltern sind. Sie kennen sich in ihrem Unbewussten aus. Und in dieser unendlichen Abhängigkeit, die später Liebe heißt, übernehmen sie was die Eltern nicht schaffen, bzw. nicht erledigen.
Daraus entsteht eine Verwachsung, die die Eltern gar nicht wollen und die das Kind selber wieder auflösen muss, um Zugang zu sich selbst zu finden“

Prof. Peter Müller-Egloff

In der Familienrekonstruktion nach Satir wird gemeinsam an der Familiengeschichte im Rahmen einer systemischen Erinnerungs- und Biografiearbeit gearbeitet. Familienstrukturen der Herkunftsfamilie und die „Geschichten“ über drei Generationen werden so u.a. über die Genogrammarbeit bewusst gemacht.

SUPERVISION
Begleitend zur theoretischen Weiterbildung im Abschnitt II finden drei Supervisionsseminare zu je zwei Tagen statt (09:00 – 18:00 Uhr). Die Supervisionsseminare werden in der geschlossenen Weiterbildungsgruppe durchgeführt (100 UE), mit mindestens einer zweiten vom Teilnehmer vorgestellten Arbeitssitzung (Live und Fall).

Die Supervision dient der gemeinsamen Reflektion der beraterischen Praxis der Teilnehmer. Ziel der Supervision ist es, Strategien der systemischen Beratung in der Arbeit mit Einzelnen, Paaren und Familien deutlich zu machen.

SELBSTERFAHRUNG
Im Laufe der Weiterbildung zum „Systemischen Berater“ finden 10 Tage Selbsterfahrung (z.B. im Rahmen der Familienrekonstruktion) statt, u.a. im Tagungshaus (zzgl. Vollpension ab 95,- € / Tag).

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte und Herkunftsfamilie steht dabei im Vordergrund. Die TeilnehmerInnen werden insbesondere mittels Genogramm- und Skulpturarbeit dazu angeregt, sich mit den Konflikten, Rollen, Vermächtnissen und Ressourcen aus ihren jeweiligen Herkunftssystemen auseinander zu setzen.

Infos zu Seminarhäusern


Bei Interesse für ein persönliches Kennenlernen können Sie gerne am Infoabend teilnehmen.

DGSF-Weiterbildung „Systemische Beratung“

Dauer // Ablauf
Die Weiterbildung „Systemische Beratung“ erstreckt sich über ca. 24 Monate, aufgeteilt in zwei Abschnitte. Begleitend zu den Seminaren werden feste Triaden gebildet, die sich über den gesamten Weiterbildungszeitraum treffen.

570 Lehreinheiten insgesamt:

  • 220 UE Theorie und Methoden
  • 100 UE Supervision
  • 100 UE Selbsterfahrung
  • 80 UE Intervision
  • 70 UE Praxis

Struktur:

7 Theorie-/Methoden Seminare
5 Supervisionsseminare
2 Seminare zur Selbsterfahrung


Weiterbildungskosten
€ 5.760,- (2.880,- je Abschnitt/Jahr, steuerfreie Leistung nach § 4 Nr. 21a bb UStG.). Diese Gebühr inkl. Supervision und Selbsterfahrung, ein monatliches Lastschriftverfahren ist möglich. Die Kosten für Unterbringung und Verpflegung (im Seminarhaus im zweiten Jahr) sind darin nicht enthalten.

Das erste Seminar dient als Orientierungsseminar, ein Rücktritt ist bis 7 Tage nach dem ersten Seminar möglich. Die Teilnahmekosten betragen dann (bzw. bei vorzeitigem Rücktritt) nur € 400,-. Die Weiterbildungsgebühren können in Monatsraten bezahlt werden.

Die Weiterbildung kann bei einer entsprechenden Begründung u.a. durch das Arbeitsamt (s. Weiterbildungsförderung) gefördert werden.

Orte
Die inhaltlichen Seminare und die zweitägigen Supervisions- Seminare finden in den Seminarräumen in München statt.

Ab dem zweiten Abschnitt finden max. 2 Seminare im Seminarhaus bei München statt (zzgl. Kosten ab ca. 95,- pro Tag).

Besonderheiten

  • Der Teilnehmer beginnt bereits während der Weiterbildung live zu arbeiten.
  • Die Vermittlung der Lehrinhalte in den Seminaren erfolgt praxisnah und erfahrungsorientiert: Die Seminare beinhalten einen hohen Selbsterfahrungsanteil. Wir arbeiten viel szenisch, psycho-dramatisch und gestaltend, humorvoll und prozessorientiert.
  • Wir verbinden die systemischen Ansätze mit der eigenen Lebens- und Lerngeschichte der Weiterbildungsteilnehmer.

Zertifizierung
Nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung kann eine Zertifizierung zum „Systemischen Berater (DGSF)“ beim Dachverband DGSF beantragt werden.

Die ausführliche Beschreibung der Eingangsvoraussetzungen siehe DGSF.

Ausnahmen sind in begründeten Einzelfällen möglich.

Vorteile der DGSF-Zertifizierung

FAQ-Liste zur DGSF-Zertifizierung